24.4.2021

Frischer Wind für die Energiewende

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Bedburg – eine Stadt im Rhein-Erft-Kreis im Westen von Köln. Erstmals bereits um das Jahr 900 nach Christus urkundlich erwähnt, ist die Stadt in ihrer jetzigen Form noch jung: Im Januar 1975 wurden die damaligen Städte Bedburg und Kaster zur neuen Stadt Bedburg zusammengelegt. Aktuell entsteht genau hier eines unserer smarten Quartiere, die Ressourcenschutzsiedlung Bedburg-Kaster – mit direktem Anschluss an den Windpark Königshovener Höhe, der das Quartier mit regenerativ erzeugter Energie versorgt. Seit 2015 ist der Windpark bereits am Netz. Er gilt als Zeichen für den Strukturwandel in der Region.

Denn die Stadt Bedburg war Jahre lang vom Braunkohletagebau geprägt. Ein Großteil der Kohle wurde und wird noch immer zur Stromerzeugung genutzt. Die Bevölkerung Bedburgs brachte über Jahrzehnte Opfer zugunsten des Tagebaus: Tausende Menschen wurden umgesiedelt und fast die Hälfte des Stadtgebiets wurde umgegraben, um die Versorgung Deutschlands zu sichern.

2015 wurde der Windpark Königshovener Höhe errichtet – 21 Windkraftanlagen wurden auf dem ehemaligen, rekultivierten Tagebaugelände installiert. Sie stehen für den Wandel in der Region und in der deutschen Energiewirtschaft. Noch produzieren Windenergieanlagen lediglich knapp acht Prozent des verbrauchten Stroms in NRW. Doch die Landesregierung plant eine Verdopplung der Stromproduktion aus Windkraft in den nächsten zehn Jahren. Der „Wind of Change“ hat also auch die Region um Bedburg erfasst.

Ein neues Denken hat sich in Gesellschaft, Politik und Energiewirtschaft durchgesetzt. Der Klimawandel und der Blick auf die Endlichkeit aller Ressourcen haben die Weichen für die Energiewende gestellt und damit für die Abkehr von fossilen Brennstoffen. „Dekarbonisierung“ heißt nun dementsprechend die große globale Herausforderung. Die Energieproduktion mit Windkraftanlagen nimmt hierbei eine wichtige Rolle ein. Doch wie wird der Strom aus Windkraft erzeugt?

Windanlagen erzeugen immer dann Strom, wenn der Wind auch tatsächlich weht – wenn dieser auf die Rotorblätter eines Windrades drückt, beginnt der Rotor sich zu drehen. Hierbei wird die kinetische Energie des Windes direkt in elektrische Energie umgewandelt. Die Drehbewegung treibt einen Generator im Inneren der Gondel an, welcher die mechanische Energie der Drehbewegung in Strom verwandelt. Von hier aus wird dieser in das Energieversorgungsnetz eingespeist.

Übrigens: Für die Stromausbeute kommt es neben dem möglichst windigen Standort auf die Höhe der Anlagen an: Je höher das Windrad, desto gleichmäßiger weht der Wind. Das führt wiederum zu einer größeren Strommenge. Mit jedem Meter, den eine Anlage höher gebaut wird, wird ein Prozent mehr Strom erzeugt. Wird die Flügellänge verdoppelt, steigt der Ertrag sogar um das Vierfache. Bei einer doppelten Windgeschwindigkeit schließlich wird achtmal so viel Strom erzeugt.

Moderne Windenergieanlagen können über eine „Windrichtungsnachführung“ in ihrer Richtung gedreht werden. So stehen sie immer im Wind. Gesteuert wird dies über Mess- und Regelinstrumente, die auf der Gondel angebracht sind. In Deutschland gibt es fast ausschließlich Windräder mit drei Rotorblättern, so auch in Bedburg. Sie werden auch als horizontale Windräder bezeichnet. Ihr Vorteil: Windkraftanlagen verbrauchen als regenerative Energiequelle keine fossilen Brennstoffe und fördern wie auch Solaranlagen die Energiewende. Im Sommer 2020 wurde einer Erweiterung des Windparks Königshovener Höhe zugestimmt.

Gebäude der neuen Ressourcenschutzsiedlung Bedburg-Kaster.

In Zusammenspiel mit dem Windpark wird das aktuelle Bauprojekt der Ressourcenschutzsiedlung in Bedburg-Kaster eine nachhaltige und sichere Energieversorgung bekommen. Realisiert wird die Siedlung unter dem Markennamen „Faktor X“. Es geht darum, den Baustoffeinsatz, den Energiebedarf sowie die Umweltauswirkungen, die ein Gebäude über seinen gesamten Lebenszyklus hinweg verursacht, stark zu reduzieren. Die Versorgung unseres smarten Quartiers vor Ort basiert ausschließlich auf regenerativen Energien. Die Windkraftanlage trägt dazu bei, dass CO2-Emissionen eingespart werden. Die Siedlung wird ausschließlich mit nachhaltigen Materialien, wie u. a. Holz, erbaut und trägt mit dieser ressourcenschützenden Bauweise dazu bei, dass das deutsche Klimaziel erreicht werden kann. Hier zeigt sich eindrucksvoll, wie eng Ressourcenschutz und Emissionsvermeidung ineinandergreifen.